KI Projekte im Mittelstand – ein Erfahrungsbericht. Interview mit Tim Gemünden.

KI Projekte im Mittelstand – ein Erfahrungsbericht. Interview mit Tim Gemünden.

Die Theorie hinter unserem Co-Innovations-Modell und die daraus resultierenden Projekte und Lösungen haben wir Euch in den vergangenen Monaten bereits vorgestellt. In einem Interview berichtet unser Co-Innovations Partner und Geschäftsführer der Bauunternehmung Karl Gemünden GmbH&Co.KG. Tim Gemünden jetzt, wie er die Zusammenarbeit erlebt hat.

Dabei verrät er uns, wie das Thema Künstliche Intelligenz in seinem Unternehmen Einzug gefunden hat, welche Erfolge wir bislang in unserem gemeinsamen Projekt verbuchen konnten und was für die Zukunft noch geplant ist. Seinen Kollegen aus dem Mittelstand gibt er außerdem einen wichtigen Rat mit auf den Weg.

Herr Gemünden, wie kam es zu der Idee, Künstliche Intelligenz in Ihrem Unternehmen einzusetzen?

KI ist ja schon sehr lange ein angesagtes Thema. Deshalb stellte sich auch für uns die Frage: In welchen Prozessen kann  KI uns voranbringen? Dabei ging es uns von Anfang an darum, immer wiederkehrende Prozesse zu optimieren und effektiver zu gestalten. Durch feste Anwendungsregeln lassen sich ja viele Prozesse verbessern, die auf der einen Seite immer wiederkehrend sind und auf der anderen Seite nervig und zeitraubend für die Mitarbeiter. Hier muss man sich jeden einzelnen anschauen. Außerdem geht es darum, Fehleranfälligkeiten zu beseitigen. Mit KI können Fehler vermieden werden. Deshalb verfolgen wir auch mehrere Projekte, mit deren Einsatz wir die Effizienz und Fehleranfälligkeit in einzelnen Bereichen verbessern wollen. Es geht darum, mit geringem Aufwand viel zu erreichen. Kurz gesagt: Wir nehmen einen digitalen Prozess und optimieren  ihn durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Beim Projekt mit der DDG handelt es sich um eine KI-basierte Lösung zur automatischen Verschlagwortung von E-Mails und in der Dokumentenablage. Welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?

Gemünden: Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Durch die ersten Schritte haben wir ein Niveau erreicht, mit dem ich zufrieden bin. Aber bis zur Marktreife ist es noch ein langer Weg, der erst noch beschritten werden muss. Die ersten Fortschritte sind schon mal gut und vielversprechend. Der Proof of Concept hat schon in wenigen Wochen sehr überzeugt. Jetzt muss die KI-Engine noch weiterentwickelt werden.

Wann wird das Projekt abgeschlossen sein?

Das kann man im Moment noch nicht sagen, aber ich hoffe, dass wir bis Ende des Jahres einen Prototypen haben, der in der Praxis eingesetzt werden kann. Aber bis dahin sind noch einige Aufgaben zu lösen.

Wie haben Ihre Mitarbeiter darauf reagiert, dass jetzt der „Kollege KI“ in Ihrem Unternehmen Einzug gehalten hat?

Noch gar nicht. Denn die Arbeitsebene, die das betrifft, ist noch gar nicht involviert. Das kommt dann, wenn der Prototyp erst einmal läuft. Aber meine Einschätzung ist: Die Mitarbeiter werden heilfroh sein, wenn die nervtötende Tätigkeit endlich der Vergangenheit angehört. Der Zuordnung von E-Mails etc. wird niemand eine Träne nachweinen.

Wie hat sich das Co-Innovation-Modell mit der DDG aus Ihrer Sicht bewährt?

Ich bin sehr positiv überrascht, wie gut das funktioniert. Das gibt uns einen großen Schub nach vorne. Wenn man was Neues machen will, muss man die alten Wege verlassen. Und hier funktioniert das Modell sehr gut.

Das Projekt soll einmal als eigenständige Gesellschaft, also als Startup ausgegliedert werden. Dann soll die Lösung auch anderen Marktteilnehmern gegen Gebühr zur Verfügung gestellt werden. Welche Marktchancen sehen Sie?

Hier muss man zunächst einmal einschränken. Wir konzentrieren uns, wenn es soweit ist, zunächst auf deutschsprachige Unternehmen. Das grenzt das Marktpotential erstmal ein. Hinzu kommt, dass Branchenteilnehmer digital schon gut aufgestellt sein müssen, erst dann kann man unseren KI-Prozess dort aufsetzen. Viele kleine Unternehmen sind das nicht und werden deshalb als Kunden nicht in Frage kommen. Aber es gibt einen Markt, davon bin ich überzeugt. Auch wenn er aktuell noch überschaubar ist – das Modell sollte trotzdem fliegen.

Für welche Art von Betrieben und Branchen können Sie sich den Einsatz dieser Lösung vorstellen?

Das kann in jeder Branche zum Einsatz kommen, zumindest im Prinzip. Jeder braucht eine Lösung, um E-Mails und andere Schriftstücke fehlerfrei und effizient zuzuordnen. Da hat jede Branche ihre eigenen Anforderungen, für die man entsprechende Anwendungen speziell konfigurieren müsste, denn zunächst wenden wir diese KI-Methode auf unsere Branche an, also die Baubranche. Aber im Prinzip geht es um immer gleiche Muster, die nur entsprechend angepasst werden müssen.

Im deutschen Mittelstand gibt es immer noch Vorbehalte und Ängste hinsichtlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz. Können Sie hier Ängste nehmen?

Ganz ehrlich gesagt, ich glaube gar nicht, dass es so viele Vorbehalte gibt. Es fehlt den Leuten eher die Fantasie, wo im Betrieb KI eingesetzt wird. Dabei gehört künstliche Intelligenz schon längst zum Arbeitsalltag, zum Beispiel wenn man Informationen über Google sucht. Man sollte sich nur mal genauer überlegen: Wo kann ich KI in meinem Betrieb einsetzen? In welchen Bereichen kann KI für mehr Effizienz sorgen? Wenn diese Fragen beantwortet sind, wird KI auch in vielen anderen Betrieben  verstärkt Anwendung finden.

Was können Sie anderen Geschäftsführern und Entscheidern in mittelständischen Unternehmen aus Ihrer Erfahrung heraus mit auf den Weg geben?

Sucht aktiv und gezielt nach Einsatzbereichen, wo KI helfen kann! Es gibt in jedem Unternehmen Prozesse, die nervig sind und nur Zeit und damit letztlich auch  Geld kosten. Es geht darum, nervige Aufgaben von den Mitarbeitern fernzuhalten.

Viele Unternehmen schließen den Einsatz von KI kategorisch aus, weil sie davon ausgehen, dass die Entwicklung mit sehr hohen Kosten verbunden ist. Dabei haben neue Studien ergeben, dass KI-Projekte eine sehr kurze Amortisierungszeit haben. Können Sie das bestätigen?

Meine Hoffnung ist, dass sich unsere KI-Aktivitäten schnell bezahlt machen werden. Das kann ich aber erst abschließend beantworten, wenn wir fertig sind. Bisher sieht es gut aus. Wenn ich mir die anderen Digitalisierungsprozesse in unserem Betrieb anschaue, dann bin ich überzeugt, dass sich auch das Projekt mit der DDG schnell amortisieren wird. Wir haben nach drei Monaten schon eine Trefferquote von 80 Prozent, da müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn sich die Investitionen nicht sehr schnell auszahlen.

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